PI Innovation Award 2026: Neuer Sensor zur leichteren Erkennung von Gebärdensprache
Foto von links nach rechts: Prof. Dr. Thilo Stehle (Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät), Dr. Maria-Paola Forte (Preisträgerin), Dr. Markus Simon (Manager Strategic Innovation & Technology bei PI), Dr. Steffen Schreiber (Director Global Innovation & Scouting bei PI)
Zum dritten Mal in Folge verleiht PI den „PI Innovation Award“ an der Universität Tübingen. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an Dr. Maria-Paola Forte, die am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen forscht und einen neuartigen Sensor zur automatischen Erkennung von Gebärdensprache entwickelt hat. Die Technologie soll gehörlosen Menschen künftig den Zugang zu digitalen Angeboten erleichtern – etwa durch natürlichere Gebärdensprach-Avatare oder bessere automatische Übersetzungen.
Technologische Innovation entfaltet ihren größten Wert, wenn sie das Leben von Menschen verbessert. Die Arbeit von Dr. Maria-Paola Forte zeigt eindrucksvoll, wie exzellente Forschung zu mehr Teilhabe und Barrierefreiheit beitragen kann. Genau solche Innovationen möchten wir mit dem PI Innovation Award fördern.
Das von der Wissenschaftlerin entwickelte Gerät wird wie ein Armband am Handgelenk getragen und erkennt zuverlässig, wenn Hände Gesicht oder Körper berühren. Der Sensor nutzt ein physikalisches Phänomen im menschlichen Körper: Berührt eine Hand das Gesicht oder eine andere Körperstelle, verändert sich der elektrische Widerstand zwischen den Kontaktpunkten messbar. Anders als Kameras muss das System die Berührung nicht sehen. Es erkennt direkt, ob ein tatsächlicher Hautkontakt stattfindet. Dadurch lassen sich Bewegungen präziser erfassen – insbesondere bei Gebärden, bei denen es darauf ankommt, ob eine Hand das Gesicht oder den Körper berührt oder nur knapp daran vorbeigeführt wird. In Kombination mit kamerabasierten Verfahren entstehen deutlich genauere Bewegungsdaten. Das verbessert die automatische Erkennung und Darstellung von Gebärdensprache und eröffnet neue Möglichkeiten für barrierefreie Kommunikation zwischen Mensch und Computer.
Dr. Maria-Paola Forte hat eine entscheidende Lücke in der kamerabasierten Erfassung menschlicher Bewegungen geschlossen. Mit ihrem Sensor ergänzt sie optische Verfahren um Informationen, die Kameras allein nicht zuverlässig erfassen können. Gerade diese Verbindung unterschiedlicher Messprinzipien macht ihre Arbeit wissenschaftlich und technologisch besonders überzeugend.
Mit der besonderen Relevanz der Arbeit weit über die Wissenschaft hinaus setzte sich die Forscherin gegenüber zahlreichen Mitbewerberinnen und Mitbewerbern durch.
Dr. Maria-Paola Forte ist ein innovativer Transfer gelungen: es wurde ein Patent angemeldet, ein neuer Sensor ist bereits in der Produktion und es gab einen Spin-off.
Kontakt: Dr. Markus Simon, Strategic Innovation and Technology Management, und Dr. Steffen Schreiber, Director Global Innovation & Scouting